Investieren in Krisenzeiten_Titelbild

Ich weiß, ich weiß. In Krisenzeiten ist es oft schwer, nicht unruhig zu werden.

Die Meldungen überschlagen sich, eine Hiobsbotschaft nach der anderen trudelt ein und Aktienkurse fallen drastisch, steigen kurz an und fallen weiter.

Beunruhigend ist vor allem, wenn man nicht weiß, wie lange das noch so gehen wird. Werden die Kurse weiter sinken? Werden sich die Märkte wieder erholen?

Diese Unsicherheit und die Angst vor dem Verlust des eigenen Geldes sorgen oft für unüberlegtes Handeln.

Dabei gilt für AnlegerInnen in Krisenzeiten immer: Ruhe bewahren. Denk immer dran, Verlust machst du erst, wenn du verkaufst.

Damit einem die aktuelle Situation weniger Angst macht, hilft es, wenn man sich die historischen Entwicklungen der Märkte und die vergangenen Finanzkrisen anschaut.

Bevor ich dir also erkläre, was als AnlegerIn wann sinnvoll ist, wagen wir mal einen kurzen Abstecher in die Geschichte.

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Kennst du die Begriffe Bullenmarkt und Bärenmarkt?

Wir befanden uns vor der Corona-Krise für seeehr lange Zeit in einem sogenannten „Bullenmarkt“, in dem die Wirtschaft florierte und die Kurse immer weiter stiegen. Der Bulle steht also für Hochkonjunktur.

Von einem „Bärenmarkt“ spricht man dagegen, wenn die Kurse fallen. Ein Bärenmarkt steht dabei für einen längeren Trend als ein Crash, der plötzlich auftritt und ungefähr ein paar Tage oder wenige Wochen andauert, dafür aber stärker fallende Kurse bewirkt. Nicht selten folgt einem kurzfristigen Crash ein mittel- bis langfristiger Bärenmarkt.

Wie du in der Grafik siehst, ergänzen sich Bulle und Bär. Sie wechseln sich ab. Einem Bärenmarkt folgt irgendwann auch wieder ein Bullenmarkt.

Diagramm Bullenmarkt Bärenmarkt_Investieren in Krisenzeiten
Quelle: First Trust

Die erste gute Nachricht lautet also: Ein Bärenmarkt und damit ein Sinken der Kurse ist völlig normal.

Die zweite gute Nachricht: Bärenmärkte sind im Durchschnitt viel kürzer als Bullenmärkte und die durchschnittlichen Verluste sind geringer als die Gewinne der Bärenmärkte.

  1. Ein durchschnittlicher Bullenmarkt dauert 2,7 Jahre (32 Monate) mit durchschnittlichen, kumulierten Gewinnen von 112%.
  2. Ein durchschnittlicher Bärenmarkt dauert dagegen nur 9,5 Monate mit durchschnittlichen, kumulierten Verlusten von 36%.

Diese Daten beziehen sich dabei auf den amerikanischen S&P 500. Das ist ein Aktienindex, der die Aktien von 500 der größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen enthält.

Wenn du dir die durchschnittliche Dauer eines Bullenmarktes ansiehst und weißt, dass die letzte Finanzkrise schon über 10 Jahre zurückliegt, dann weißt du auch, dass ein Bärenmarkt praktisch überfällig war. Das macht eine Krise zwar nicht schöner, nimmt ihr aber irgendwie den leicht apokalyptischen Beigeschmack. Wenn du mich fragst, wirkt es aus dieser Perspektive weniger beängstigend.

Okay, so viel zum historischen Auf- und Ab der Märkte. Aber eins muss ich dir noch mitgeben, bevor ich dir die 4 Möglichkeiten erkläre, die du als AnlegerIn in einer Krise hast.

Wichtigste Voraussetzung: Genügend Reserven

Der ultimative Tipp, um auch in Krisenzeiten ruhig schlafen zu können: Eine Reserve haben. (Eigentlich sollte man immer eine gewisse Reserve in der Hinterhand haben, nicht nur in Krisenzeiten.)

Aber wie groß sollte deine Reserve sein?

Also zunächst einmal solltest du immer einen Notgroschen von 1.000 Euro haben, auf den du schnell zugreifen kannst. Er ist dein Sicherheitsnetz kurz vorm Boden. Dein Notgroschen hilft dir bei unvorhergesehen, größeren Ausgaben, wie beispielsweise einer Autoreparatur.

Dazu solltest du eine Cashreserve von 3-6 Nettomonatsgehältern haben – je nach persönlicher Situation (und Risikofreudigkeit). Damit kannst dich du beispielsweise eine ganze Zeit lang über Wasser halten, wenn dein Einkommen einmal wegfallen sollte. In unsicheren Zeiten könntest du sogar überlegen, hier auf 9 Monatsgehälter aufzustocken. Familien brauchen in der Regel auch eine größere Reserve als Singles.

Diese Reserven solltest du in sicheren, schnell verfügbaren Anlageformen haben. Hier geht es nicht um Rendite, sondern um Sicherheit. Alles was darüber hinaus geht, kannst du dann guten Gewissens investieren.

Was tun als AnlegerIn in Krisenzeiten?

Wann ist was sinnvoll? Hier ist ein kleiner Überblick über deine Möglichkeiten.

Möglichkeit Nr. 1: Gar nichts tun

Krisen gehen vorüber. Und wie wir eben gelernt haben, zeigt uns die Geschichte, dass nach einer Krise auch immer ein Aufschwung folgt. Du kannst es einfach aussitzen.

Abwarten und Teetrinken ist also die erste Möglichkeit.

Wann ist das sinnvoll?

Insbesondere wenn du Sparpläne nutzt, bist du in einer bequemen Position. Du erhältst für dein Geld im Moment ganz automatisch mehr Anteile als vorher – den gesunkenen Kursen sei dank. Du freust dich also über die günstigen Wertpapiere und lässt alles wie es ist.

Möglichkeit Nr. 2: Nachkaufen

Wie sagte Börsenlegende Waren Buffet einst?

„Sei ängstlich, wenn andere gierig sind. Sei gierig, wenn andere ängstlich sind.“

Mit einem Nachkauf zu günstigeren Kondition reduzierst du deine durchschnittlichen Kosten pro Stück. Wenn die Kurse dann wieder steigen, ist der Weg bis zu deiner persönlichen Gewinnschwelle, also dem Punkt, an dem du wieder im Plus liegst, nicht mehr so weit. (Oder deine Kursgewinne sind umso größer, wenn du gar nicht erst ins Minus gerutscht bist.)

Wann ist Nachkaufen sinnvoll?

Du besitzt einige Titel, die eigentlich gut gelaufen sind, jetzt aber rapide abstürzten? Und du hast gerade genügend Cash? Dann könntest du jetzt nachkaufen, wenn der Kurswert deutlich (also z.B. 30% oder mehr) unter deinem Einstiegswert liegt.

Für die Titel, bei denen ein Nachkauf für dich in Frage kommt, könntest du zum Beispiel auch eine Limit-Kauforder nutzen. Damit legst du den Kurs fest, ab dem ein Nachkauf für dich persönlich Sinn macht. Wurde dieser unterschritten, wird automatisch eine Order ausgelöst.

Möglichkeit Nr. 3: Einsteigen

Eine Krise ist in gewisser Weise wie ein Schlussverkauf für Aktien.

Du könntest überlegen, bei bestimmten Aktien, Fonds oder ETFs einzusteigen, denn jetzt bekommst du viele Wertpapiere zu günstigen Preisen.

Wann ist es sinnvoll einzusteigen?

Zunächst solltest du natürlich genügend Cashreserven haben. Und vielleicht hattest du ja das ein oder andere Unternehmen eh schon lange im Auge? Dann könnte jetzt der Moment sein, um zuzuschlagen.

Wenn du jedoch Impulskäufe tätigst, nur weil die Kurse gerade günstig sind, dann läufst du Gefahr, dass deine Entscheidungen nicht sehr klug waren. Auch bei günstigen Aktienpreisen solltest du dich auf dein Köpfchen verlassen.

Wenn du einsteigst, solltest du aber erstmal nur etwa die Hälfte des für Investitionen verfügbaren Geldes nutzen. Die zweite Hälfte kannst du entweder nutzen, um später noch einmal nachzukaufen, falls die Kurse noch weiter gesunken sind oder um auf anderer unvorhergesehene Entwicklungen zu reagieren. Sie ist deine Sicherheitsreserve.

Wie auch beim Nachkaufen könntest du hier eine Limit-Kauforder nutzen, um automatisch zu kaufen, wenn ein bestimmter Kurs unterschritten wurde.

Möglichkeit Nr. 4: Verkaufen

Das Verkaufen ist in Krisenzeiten nur in seltenen Fällen empfehlenswert. Denn wenn die Kurse rapide sinken, bedeutet ein Verkauf häufig Verluste. Und insbesondere mit der Aussicht, dass alle Krisen irgendwann einmal überwunden sind, macht das wenig Sinn. Insbesondere für Anleger, die eine langfristige Buy&Hold-Strategie verfolgen, kommt Verkaufen meist nicht in Frage.

In einzelnen Fällen kann es aber dennoch Sinn machen.

Beispielsweise wenn man sich Gewinne auf einzelne Titel sichern will, die man so oder so irgendwann abstoßen wollte. Das ist aber leichter gesagt, als getan. Denn das bedeutet, dass man rechtzeitig aussteigen müsste, wenn die Kurse noch hoch genug sind. Man müsste also den Beginn einer Krise abpassen. Da man aber nur selten mit Sicherheit weiß, wie sich die Dinge entwickeln werden, ist das eher schwer.

Für solche Fälle könnte man eine Stop-Loss-Verkaufsorder nutzen, die erst ausgeführt wird, wenn eine festgelegte Schwelle unterschritten wurde. Du legst dabei also einen Miminalwert fest, der für dich noch einen Gewinn bedeutet und lässt dann automatisch verkaufen, wenn dieser Wert unterschritten wurde. Durch diesen Automatismus kannst du sehr schnell reagieren, selbst wenn die Kurse über Nacht einbrechen.

Investieren in Krisenzeiten: Fazit

Eine Krise bedeutet immer Unsicherheit und kann einem manchmal auch ordentlich Angst machen. Es hilft, wenn man sich immer wieder bewusst macht, dass die wirtschaftlichen Entwicklungen normal sind und auf eine Abwärtsphase irgendwann auch immer eine Aufwärtsphase folgt.

Kluge AnlegerInnen bewahren in Krisenzeiten ein kühles Köpfchen und versuchen das beste aus der Situation zu machen. Wenn der Sturm vorüber ist, kannst du so sogar als GewinnerIn aus der Situation rausgehen.

Ich wünsche dir allzeit viel Ruhe und starke Nerven, dann meisterst du jede Krise mit Bravour. Ich stehe hinter dir!

Deine

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